UNGESCHMINKT

Quelle: www.diakonie-sh.de/armut.14/index.html v. 05.02.2012

Pressemitteilung zum 20-jährigen Jubiläum des Ortsverbandes Hohenwestedt vom 05.02.2012:

 

Es gibt Bilder, die brauchen keine Worte: Eine eindrucksvolle Ausstellung in Hohenwestedt zeigt Amateur-Aufnahmen von Bedürftigen und Obdachlosen aus Schleswig-Holstein

 

UngeschminktFotoausstellung der Ratsgalerie zeigt Armut in Schleswig-Holstein

Es gibt Bilder, die brauchen keine Worte. Sie sprechen für sich. Sie erzählen von Armut in einem reichen Land. Sie zeigen eine leere Küchenzeile, zwei Kinder auf einem alten Sofa, eine rau, die ihr Gesicht verdeckt, ein Fixerbesteck zwischen Töpfen auf dem Herd. Sie machen traurig, denn sie zeigen Facetten des Nordens, die kein Urlauber je zu sehen bekommt und über die kein Politiker gerne spricht. Es gibt diese düstere Seite jedoch - in fast jedem Ort von Schleswig-Holstein!

In der Ratsgalerie Hohenwestedt wird am 10.3.12 um 11 Uhr eine Fotoausstellung eröffnet, die Armut in Schleswig-Holstein dokumentiert. Unter dem Titel „Ungeschminkt“ werden Bilder gezeigt, die von Armut betroffene Menschen selbst fotografiert haben. Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein und zahlreiche Einrichtungen der Diakonie haben für dieses im Norden bislang einzigartige Projekt rund 200 Einweg-Kameras in Schleswig-Holstein verteilt. Entstanden ist im Jahre 2010 bis heute eine Ausstellung, die Einblicke in die Lebenssituation von Menschen zeigt, für die Armut und soziale Ausgrenzung eine tägliche Erfahrung ist. Die Bilder zeigen mit Wohnungen, Obdachlosigkeit, Tafeln und Sozialläden einen Alltag in Armut, der von einer Mehrheit kaum wahrgenommen wird, aber auch in Schleswig-Holstein Realität ist. Allein in Schleswig-Holstein leben über 360.000 Menschen unter der Armutsschwelle. Sie müssen mit weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung ihr Leben organisieren. Jeder zweite Erwerbslose und nahezu jede zweite Alleinerziehende und deren Kinder sind von Armut betroffen. 17,4 Prozent aller Kinder in Schleswig-Holstein gelten als arm. Die Bilder zeigen, dass Armut oft nur ein Punkt in einer ganzen Reihe von Problemen wie Vereinsamung, Krankheit und Sucht ist. Oft geht Armut einher mit geringer Vernetzung und mit wenig Unterstützung im sozialen Umfeld. Dies sei gerade für Alleinerziehende, eine der am stärksten von Armutsrisiken betroffenen Gruppen, ein massives Problem. Erfolgreiche Armutsprävention, gerade für Kinder und Jugendliche, lebe von einem interessierten und engagierten Umfeld.

Zur Eröffnung der Ausstellung in der Ratsgalerie Hohenwestedt, in deren Rahmen der Ortsverband Hohenwestedt des Kinderschutzbundes sein 20-jähriges Jubiläum feiert und die eine Gemeinschaftsveranstaltung von Kinderschutzbund, Ratsgalerie und Museumsverein ist, wird die DKSB-Landesvorsitzende Irene Johns anwesend sein.

Für Schulklassen und interessierte Gruppen besteht die Möglichkeit, die Ausstellung auch außerhalb der Öffnungszeiten des Rathauses ( Mo, Di, Do 14 – 17 Uhr) zu besichtigen. Anmeldungen nimmt das Bürgerbüro entgegen.

 

Hans Redinger